Berliner Grundofen
Ofen heizen


Inhalt:

Vorbereitungen zum Heizen
Reinigung des Feuerraumes
Schichten und Anfeuern
Abbrand
Ausgasung
Probleme beim Feuern
Pflege des Kachelofens
Säubern des Kachelofens
Links

Erstmal Musik!


Arabeske

Vor der Heizperiode – Ein Merkblatt

Endlich, eine Wohnung oder ein WG-Zimmer gefunden. Mißtrauischer Blick zum kakaobraunen Klotz in der Ecke des Zimmers. Aha, ein Kachelofen, gar nicht mal so selten in günstigen Berliner Wohnungen. Wie soll ich den denn bedienen und was muß ich sonst noch darüber wissen?

Zubehör überprüfen und gegebenenfalls nachkaufen:
- Schürhaken (OBI)
- Ascheeimer (verzinkter Eimer aus Metall, auch gut zum Kohlen tragen, OBI)
- Kohlenanzünder (gibt es in jedem Supermarkt in Berlin, z.B. Penny, Kaisers)

Kohlen bestellen:
In den Gelben Seiten nach Kohle suchen. Für Wedding und Prenzlauer Berg kann ich den Kohlenhandel von Jonny Schmidt in der Bernauer Str. empfehlen, der hat immer korrekte und günstige Tschechenkohle am Start, Telefon (030) 4632403. Empfehlenswert ist es, bis Anfang September zu bestellen, denn dann gelten die Sommerpreise, die immer etwas günstiger sind. Pro Kachelofen kannst du pro Heizperiode mit 15 Zentnern rechnen, ein Allesbrenner (die kleinen Teile mit dem langen Rohr) zieht bestimmt 20 Zentner. Halbsteine sind am günstigsten, Ganzsteine etwas teurer und Bündelbriketts (fertig abgepackt zu 10 Kilo oder 25 Kilo) noch teurer.

Kohlen lagern:
Am besten eignet sich dafür ein Keller (einfach reinkippen lassen), für Bündelbriketts reicht aber auch eine kleine Kammer (die bei der Küche oder unter der Treppe), eventuell auch der Dachboden! Der Balkon ist wenig geeignet.

Los gehts:
Du wirst merken, daß man das Feuern eines Kachelofens erst erlernen muß, anfangs passieren immer ein paar Mißgeschicke: Zu wenig Luft, zu wenig Holz, zu lange mit dem Auflegen der Kohlen gewartet, Drosselklappe nicht geöffnet, Aschekasten nicht ausgeleert. Um nur einige zu nennen. Trotzdem ist es recht einfach zu erlernen, wenn du eine Anleitung hast und ein paar Regeln beherzigst. Die Angaben für die Brennstoffmenge sind Erfahrungswerte, die von der Größe des Feuerraumes und des Ofens allgemein abhängen, hier hilft nur ausprobieren.

Zuerst wird der Ofen gereinigt

Dazu nimmst du den Schürhaken und säuberst damit den Rost. Die Asche fällt durch den Rost hindurch in den Aschekasten, den du danach ausleeren kannst. Mach das Ausleeren sehr vorsichtig und möglichst nicht im Zimmer vorm Ofen, erst recht nicht, wenn Asche und Ofen noch warm sein sollten: Ein Aufwind wird auf die Aschepartikel einen unweigerlichen Drang ausüben, aufzusteigen und sich im ganzen Zimmer fein säuberlich zu verteilen. Daher ab auf den Balkon oder ins Treppenhaus. Hoffentlich begegnet dir der Mieter nicht, der als nächstes Fegedienst hat.

Dann wird ein Haus aus Holz gebaut

Weichholz schichten

Lege ein Brikett quer in den hinteren Bereich des Feuerraums, davor einen Kohlenanzünder. Schichte reichlich (ca. 2 Hände voll) Weichholz (Kiefernpaneele, zersägte DB-Paletten, Baustellenarmierungen o. ä.) darüber, von hinten beginnend nach vorne.
Falls du Obstkistenholz, Sperrholz oder ein paar Kienäpfel (Kiefernzapfen) am Start hast, erleichtert das den Anfeuerprozeß ungemein!
Danach solltest du die Drosselklappe am Ofenrohr öffnen. Auf: wie abgebildet, zu: um 90° gedreht.

Drosselklappe

Die ganze Chose läßt sich dann durch die Aschetür prima anzünden (Feuerzeug mit großer Flamme unter den Rost halten und Kohlenanzünder erwischen).

Anzünden von unten

Sobald es zu lodern beginnt, innere Feuerungstür schließen, Aschetür bleibt sperrangelweit offen.

Luftzufuhr ist wichtig

Schon sehr bald sollte das Feuer prasselnd und fauchend akustisch gut zu vernehmen sein. Wichtig ist ein schneller Abbrand, damit die Bildung von Kondensat im kalten Ofeninneren gar nicht erst stattfinden kann. Erst wenn das Holz gut durchgezündet hat (knistert), ist der Zeitpunkt gekommen, die Kohle aufzulegen. Dies ist, abhängig vom verwendeten Anmachholz, nach etwa 5-10 Minuten der Fall.
Dazu öffnest du die innere Feuerungstür *langsam* und legst maximal 8 Briketts oder 16 Halbsteine hinein. Beim ersten Feuern (ausgekühlter Ofen) nimm etwas weniger! Bitte die Briketts nicht gegen die rückwärtige Schamottewand des Feuerraums werfen. Sie nähme sonst Schaden!

Kohlen rein, Luft von unten

Dann schließt du innere und äußere Feuerungstür und schraubst sie leicht an. Die Aschetür bleibt zum Eintritt der Verbrennungsluft offen.

Brunzen lassen!

Phase des Abbrands

Das Feuer sollte binnen kurzer Zeit wieder hörbar fauchen, ansonsten hast du die Kohle zu spät aufgelegt oder zu wenig Feuerholz verwendet. Es kann auch sein, daß sich das Feuerholz als qualitativ schlecht, d. h. schwer brennbar herausstellt. Ausschwelen lassen und beim nächsten Mal besser machen. Nicht in der unfertigen Glut rumstochern, Verletzungs- und Brandgefahr durch glühende Kohlestückchen! Verpuffungsgefahr!
Hilfreich ist es auch, den Aschekasten erstmal (anders als auf dem Foto) draußen zu lassen, damit das Feuer mehr Sauerstoff von unten bekommt. Die Abbrandphase ist in etwa einer bis anderthalb Stunden abgeschlossen. Wichtig ist dabei die ausreichende Luftzufuhr. So werden die Kohlen zügig und sauber abgebrannt. Ein guter Indikator für richtiges Heizen sind die innere Feuerungstür und die Schamotteverkleidung des Feuerraumes. Wenn sich auf ihnen eine schmierige Glanzrußschicht bildet, erfolgt der Abbrand nicht sauber und Teile des Brennstoffes schwelen nur vor sich hin. Wird richtig geheizt, haftet der Ruß nicht.
Der Übergang in die Ausgasungsphase wird markiert durch völlig durchgeglühte Kohlen und ausschließlich durchsichtig-blaue Flämmchen.

Phase der Ausgasung

Verschiedene Theorien ranken sich um die Ausgasungsphase: Die einen sagen, wenn die Abbrandphase abgeschlossen sei, solle man alle Ofentüren und die Drosselklappe am Ofenrohr völlig schließen. Die anderen sagen, die Aschetür solle bei geschlossener Drosselklappe bis zum Ausglühen (ca. 5-7 Stunden lang) nur halb angeschraubt werden. Ich jedenfalls tendiere zu Variante zwei, da sich die Glut besser entwickelt und mehr Energie freisetzt (der Ofen wird besonders in der oberen Hälfte deutlich wärmer). Dies probier am besten selber aus!
Evtl. kannst du nach einiger Zeit nochmals nachlegen und die Temperatur weiter steigern. Paß dabei auf, daß du dir nicht die Hände verbrennst, die entstehende Wärmestrahlung ist enorm!
Der Ofen beginnt nun spürbar heiß zu werden und bleibt - auch wenn die Glut schon längst erloschen ist - ca. acht bis zwölf Stunden wohlig warm und kann neben dem Heizzweck noch andere, schmackhaftere Aufgaben übernehmen. Heizen brauchst du jedenfalls erst am nächsten Tag wieder, es sei denn, unter dir wohnt keiner ;-)

Probleme beim Heizen

Ofen zieht nicht? Kann am Wetter liegen (Inversion), an kalter Luft im Schornstein oder verdrecktem Ofen, häufig sind Züge und Rohr verdreckt. Generell sollte man bei Einzug daruf bestehen, daß der Vermieter die Öfen reinigen läßt (das ist nicht die Aufgabe des Mieters!). Falls er nicht verdreckt ist, für vermehrte Luftzufuhr sorgen (Fenster aufmachen), mehr Anmachholz nehmen und länger anfeuern.
Ofen zieht gut, qualmt aber trotzdem leicht aus allen Ritzen und im Zimmer fängts an zu stinken? Keine Panik, nicht weiter tragisch! Der Ofen bekommt etwas zuviel Luft, also müssen die Drosselklappe ganz geöffnet und/oder die Türen ein wenig (nicht viel, sonst herrscht Luftmangel!) angelehnt werden. Nach einigen Minuten kannst du, wenn sich der Schornstein etwas erwärmt hat, wieder mehr Luft zuführen.

Was kannst du falsch machen?

Ein neugesetzter Kachelofen hält durchaus einige Jahrzehnte, wenn du ihn pfleglich behandelst:

  • Helle Öfen nur mit trockenem Tuch reinigen, da man sonst den Dreck in die Haarrisse der Kacheln wischt. Sie werden schwarz und sichtbar.
  • Genug, aber nicht zuviel Holz zum Anfeuern benutzen. Holzfeuer haben eine höhere Temperatur als Kohlefeuer. Wenn sich ein kalter Feuerraum durch das Verfeuern großer Mengen Anmachholz zu schnell zu stark erhitzt, schlacken Mörtel und Schamotte aus oder dehnen überschnell und reißen. Der Ofen ist zerstört.
  • Einen völlig erkalteten Ofen nicht mit großen Mengen Brennstoff (8 Briketts auf einmal) beschicken. Bei großer Kälte ist es besser, zweimal täglich moderat zu heizen. Dadurch kann ein Ofen nicht überlastet werden.
  • Den Ofen bei Dauergebrauch jährlich, bei sporadischem Gebrauch in entsprechend längeren Zeitintervallen säubern und warten lassen. Das bezahlt der Vermieter.

Das Umsetzen eines undicht gewordenen oder beschädigten Kachelofens bezahlt zumindest in Berliner Mietskasernen niemand mehr. Die Kosten belaufen sich auf locker 3000 Euro. Stattdessen wird dein Ofen abgerissen und durch einen Allesbrenner ersetzt, der bei weitem nicht den Komfort, die Ästhetik und den Wirkungsgrad des Kachelofens bietet. Darum hüte ihn wie deinen Augapfel.

Allesbrenner mußt du anders heizen als hier gezeigt! Als Dauerbrandofen muß er mit kurzflammigen Brennstoffen, die hohe Temperaturen entwickeln, moderat dauerbeheizt werden, denn er speichert die Wärme nicht. Dafür ist er aber auch zack! warm und eher was für Spontane mit wenigen Ansprüchen an ein gutes Raumklima.
Der Brennstoff erster Wahl für den Allesbrenner ist Steinkohle (Koks, Eierkohlen und Anthrazit). Sie ist teurer als die üblichen Braunkohlebriketts, hat aber auch einen höheren Brennwert. Darum brauchst du auch nicht soviel davon kaufen wie du Briketts kaufen müßtest.

Kachelofen reinigen

Im ein oder anderen Mietvertrag ist das Reinigen der Kachelöfen ausdrücklich auf den Mieter abgewälzt, da der Vermieter scheinbar keinen Heller mehr in sie investieren will und eine Komplettsanierung des Hauses im Auge hat.
In diesem Fall wirst du, nachdem du dich vielleicht schon eine Heizsaison mit deinem Ofen vertraut machen konntest, um eine Reinigung des Zugsystems nicht umhinkommen.

Für eine flüchtige Reinigung benötigst du:
- alte Klamotten (dreckige Angelegenheit!)
- Schraubendreher zum Öffnen der Kehrdeckel
- 5 kg-Sack Schamottemörtel (Baumarkt)
- keramische Dichtschnur (Baumarkt, 1 Meter max. € 3,-)
- Plasteeimer oder große Schüssel, die dreckig werden darf, mit Wasser
- ollen Schwamm
- Handfeger zum Reinigen der Züge
- Zeitung o. ä. zum Zustopfen des Rauchrohres
- Ascheeimer für Ruß und Flugasche aus dem Ofen

Für eine gründliche, schnelle und saubere Reinigung empfehlen sich außerdem:
- Latexhandschuhe o. ä.
- Zugwischer mit langem Draht (Ofenhandel u. a.)
- Aschesauger fürn Staubsauger (Ash Clean, eBay, € 35,90)
- Spachtel zum Schamottieren der Fliesen/Abdeckplatten

Die letzten Dinge lohnen sich, wenn du mehrere Kachelöfen hast, aus Prinzip Kachelofenwohnungen bewohnst, lieber selber saubermachst und wartest, oder mit mehreren Bekannten reinteilst.
Jetzt zum Eingemachten. Sicherlich hast du dich auch schon gefragt, wie dein Klotz innen aufgebaut ist, was sich hinter der Kachelwand so alles verbirgt.
Hier ist die Lösung:


Zugsystem Berliner Grundofen
Simple Schnellanleitung („quick & dirty“):

  1. Rauchrohr reinigen
    Rauchrohr öffnen, Drosselklappe rausnehmen und reinigen, Rauchrohr reinigen (Dreck in den Ofen bzw. in den Schornstein schieben). Rauchrohr mit Zeitungspapier o. ä. zum Schornstein hin dichtstopfen, um Luftzug während der Ofenreinigung zu vermeiden.
  2. Liegende Züge reinigen
    Oberen Kehrdeckel entfernen und in den Eimer mit Wasser legen, gröbsten Dreck in der nächsten Umgebung vorsichtig herausnehmen. Die Züge mit dem Zugwischer/Handfeger vom Rauchrohr weg zum Steigzug hin reinigen. Der ganze Dreck fällt nach unten. Schließlich reinigst du den Bypass (siehe Abbildung), das ist eine kleine Öffnung (ca. 3 mal 5 cm), die durch Zugverkürzung beim Anheizen hilft und der Sicherheit dient. Sie muß unbedingt frei und sauber sein.
  3. Stehende Züge reinigen
    Unteren Kehrdeckel entfernen und die Masse an Flugasche und Ruß vorsichtig herausnehmen. Die Züge (erst Fallzug, dann Steigzug) kehren, was besonders mit Handfeger etwas mühselig ist und dich zum schwarzen Peter macht. Mit Aschesauger und Zugwischer ist es erheblich komfortabler und schneller zu erledigen.
  4. Verschließen
    Schamottemörtel anrühren. Zeitungspapier restlos aus dem Rauchrohr herausziehen
    , Drosselklappe einhängen und mit neuer Dichtschnur einpassen (beim Fixieren hilft Kleber). Der Pin der Drosselklappe gehört in eine Delle auf der gegenüberliegenden Seite des Rauchrohres, die du von außen mit den Fingern fühlen kannst. Beide Reinigungsöffnungen mit dem Schwamm endreinigen und deren Ränder wässern, die Kehrdeckel im Wasser von Schmutz und alten Mörtelresten befreien, Öffnungen und Deckel mit reichlich Mörtel einkleistern, letztere dicht und sauber einpassen und 2-3 min andrücken. Überflüssigen Mörtel mit dem Schwamm abreiben. Schamottemörtel trocknet zwar, bindet aber thermisch, d. h. härtet erst beim Erhitzen aus.
  5. Zu Beginn der nächsten Heizperiode 1-2 mal vorsichtig trockenheizen (viertel Kohlenmenge, Aschetür bleibt auch während der Ausgasungsphase offen).

Geschafft. Der Ofen zieht jetzt wieder wie Hechtsuppe und wird auch mit wenigen Kohlen knackewarm.


Arabeske Planungen für diese Seite:
- weitere Anleitung: „Kochmaschine richtig heizen“
- weitere Rezeptideen.

Links zur Ofenheizung:
Berliner Mieterverein
Altberliner Bauelemente